icons Blackoutz bei Facebook Blackoutz RSS news feed Blackoutz bei Twitter

Bullets Over Brownsville – Kleines Budget, aber große Wirkung!

Am Mittwoch, dem 06.05.2010 luden die Berliner Filmfestivals im Rahmen der Black International Cinema Veranstaltung (04.05. – 08.05.2010) ins Rathaus Schöneberg am John-F.-Kennedy-Platz. Gezeigt wurde der Film Bullets Over Brownsville von Openmindz Productions.

Bulletsover-300x249 in Bullets Over Brownsville Filmpremiere - Berlin  | BlackoutzDer Abend begann sehr entspannt und die Atmosphäre vor der Filmvorführung war fast schon familiär. Die beiden Produzenten (Damon Diddit & Natural Langdon) sind sehr aufgeschlosse Menschen, die keinerlei Kontaktscheu haben und sehr bodenständig sind.

Als wir die Halle betraten wurden wir freundlich empfangen und es entstanden bereits vor der Filmvorführung angeregte Gespräche.

Im Anschluss daran wurden die Türen geöffnet und es konnte im Vorführungssaal platz genommen werden.

Als das Licht ausging und der Film begann wussten wir noch nicht so recht, welche Art von Film uns erwarten wird. Wird er eher dokumentarisch oder fiktiv sein, wie wird er erzählt und wird er uns fesseln?

Der Film begann mit guter Musik und einem Hubschrauberflug über NYC. Es wurden Berichte der amerikanischen Medien gezeigt, die über Kriminalität und Gewalt im New Yorker Stadtviertel Brownsville / Brooklyn berichteten. Der erste Eindruck, der vermittelt wurde, war auch die Grundmessage des Films. Life over here is a f***ing hard knock struggle!

Nach der Einleitung begann der eigentliche Film. Es wurden die Charaktere vorgestellt und die Situationen, in denen Sie leben. Der Film basiert auf der Geschichte von 4 verschieden Menschen, die unterschiedliche Erwartungen und Träume haben. Im Laufe des Films wurde deutlich, wie stark all diese Geschichten miteinander verknüpft sind.

Was wiederum verdeutlich, wie das Leben im Neighborhood ist. Nämlich ähnlich wie die Berliner und Ihre Beziehung zum Kiez. Man kennt sich. Man begegnet sich. Man lebt zusammen und wenn man im Kiez / Neighborhood aufwächst und dort (fast) ein Leben lang bleibt, werden die Beziehungen zu den Nachbarn familiär. Man lebt in einem urbanen Mikrokosmos.

Die 4 Geschichten, die erzählt werden, handeln von:

  • Dante, einem kleinen Jungen. Er hat sein Leben noch vor sich und gute Aussichten, aus sich etwas zu machen, wenn er nicht auf die schiefe Bahn gerät. Er ist ein Fan des im Film erfolgreichen Rappers Danger, der auf Plakaten und in Musikvideos das Tragen und Einsätzen von Waffengewallt verherrlicht.
  • Eva da Diva, ein Mädchen, die denselben Traum wie so viele ihres Alters und Herkunft hat. Sie träumt davon Berühmt zu werden, in die Musik- oder Filmbranche zu gehen und ein Leben als Star zu führen. Sie ist so überzeugt von Ihrem Traum, dass sie gefährliche Zeichen und Warnungen übersieht, als es darauf ankommt sich für eine Rolle in einem Musikvideo des Rappers Danger vorzustellen.
  • Mark, einem ehemaligen Dealer, der das schnelle Geld gemacht hat, bis ein Cracksüchtiger ihm für ein paar lumpige Dollar eine Videokamera verkauft, die wortwörtlich sein Leben verändern wird. (Schlüsselszene: Crackguy: “This cam will change your life!”)
  • Lymiek, einem Gangster, der das typische Leben der meisten im Ghetto verkörpert. Lebensgefährlich angeschossen wird er nach Genesung aus dem Krankenhaus entlassen und bekommt eine zweite Chance sein Leben neu zu betrachten und die begangenen Fehler nicht zu wiederholen.

Der Film ist eine unglaublich gelungene Darstellung des Lebens der Menschen in Brownsville. Von einem  Leben voller  Hoffnung und Träume und gleichzeitig von einer schier ohnmächtigen Hoffnungslosigkeit der Spirale der Gewalt im Ghetto nicht entkommen zu können. Letztendlich ergeben sich viele Ihrem Schicksal. Feste Strukturen und Verhaltensmuster im Ghetto von Brownsville engen die Möglichkeiten der freien Entscheidung und Entfaltung ein.

Sie ebnen den Weg in eine, von Gewalt und Misshandlung geprägte, Zukunft. Entweder man ist Täter oder Opfer, wobei auch in diesem Zusammenhang die Täter Opfer sind. Es scheint keinen Gewinner in dieser Gesellschaft zu geben und Glück ist, wenn überhaupt vorhanden, immer nur von kurzer Dauer.

Die Chancen etwas Sinnvolles zu lernen bekommt man, wenn überhaupt, im Knast. So hat ein, im Film interviewter Sportler erst im Staatsgefängnis die Gelegenheit bekommen das Ballspielen (to play ball – engl. für Baseball) zu lernen. Eine Chance und Option auf ein besseres Leben, die er im Ghetto nie bekommen hätte. Dort ist man viel zu sehr damit beschäftigt „am Leben zu bleiben“, um nicht am Ende “Born dead” zu sein.

Doch das Ghetto fordert dich nicht nur, es gibt dir auch etwas zurück. Viele haben dort Menschen kennengelernt, die nach außen hin die härtesten und tuffesten Gangster sind, aber im inneren eine Menge Liebe tragen, die sie nur zu gerne teilen würden. Doch die Umstände lassen das nicht zu. Niemals darf man Schwäche zeigen. Blos keine Angriffsfläche bieten. Fressen oder gefressen werden – das Leben im urbanen Grosstadtdjungel.

Das besonders schöne an dem Film ist die gelungene Verbindung von Anfang und Ende des Films, die den Kreislauf des Lebens in Brownsville sehr gut darstellt.

Besonders beeindruckend an dem Werk Bullets Over Brownsville ist die hohe Qualität, mit der der Film produziert wurde. Alle Dialoge und Handlungen, alle Schnitte, Aufnahmen, Rollenverteilung, Umsetzung und sogar die Musik wurden von Natural Langdon und Damon Diddit allein produziert.

Wer jedoch denkt, dass da ein Haufen Geld und Investoren dahinterstehen, der irrt. Sie haben alles allein finanziert und produziert. So viel Liebe zur Sache und zu Brownsville verdient höchsten Respekt und Anerkennung.

Es handelt sich bei dem Werk um das Audiovisuelle Einfangen eines kleinen Mikrokosmos – dem Bezirk Brownsville in Brooklyn / NYC. Dieser Mikrokosmos und die dort erfahrene Unterdrückung und Einschränkung ist überall auf der Welt bekannt. Nahezu jeder hat schon einmal erfahren, was es heißt, sich unterordnen zu müssen.

Sei es in Schule, Job, Familie, der Wohngegend oder allgemein in der Gesellschaft. In jedem von uns finden wir ein klein wenig Brownsville wieder. In mehr oder weniger starker oder schwacher Ausprägung.

Im Anschluss an den Film fand noch eine Diskussionsrunde in der Bibliothek des Rathaus Schöneberg statt. Die Kulisse war gut gewählt und bot eine sehr produktive und angenehme Diskussionsebene. In der vertrauten Runde wurde nicht nur über den Film diskutiert.

Blackoutz kann diesen Film nur jedem empfehlen!!!

Und wer die Vorführung verpasst hat, keine Sorge. Die beiden Jungs sind gerade dabei das Ganze auf DVD zu bannen, um es der Nachwelt zu erhalten.

Wir werden euch darüber auf dem Laufenden halten.

Ähnliche Beiträge:

  1. Ausstrahlung des Films Bullets Over Brownsville @ Queens World Film Festival
  2. Bullets Over Brownsville erhält ehrenhafte Auszeichnung beim Queens World Film Festival
  3. Bullets Over Brownsville Movie Night– Berlin
  4. Privat: HipHop Don’t Stop Berlin Mai 2011 feat. DJ DHUNDEE (NYC)
  5. Arrested Development live – Kesselhaus Berlin

Leave a Reply

 
Impressum | Sitemap | Jobs | Datenschutz | Anmelden | Entries (RSS) | Comments (RSS) | Twitter | Facebook