Es ist die musikalische Überraschung des Jahres: Diese Re-Union stellt sogar die Comeback-Tour von Take That in den Schatten. Das musikalische Megaprojekt des Jahres, kurz und bündig betitelt mit “23″, entstand aus der Zusammenarbeit von Bushido und Sido. Die Zusammenarbeit der zwei erfolgreichsten Rapper Deutschlands ist eine wahr gewordene Utopie, die im Grunde niemand für möglich gehalten hatte. Dieses Album ist ein Meilenstein in der Hip Hop-Szene und erzählt dabei doch eine ganz eigene Geschichte. Nach zehn Jahren voller gegenseitiger Beleidigungen und verbaler Zerfleischungen haben sich die beiden Meister des Sprechgesangs zusammen gerauft und ihr erstes gemeinsames Album auf den Markt gebracht. Ob die beiden Herren nun nach Jahren der Konkurrenzbeziehung nun ihre Liebe füreinander gefunden und Eheringe getauscht haben oder es sich bei der Kollaboration um eine reine Zweckgemeinschaft handelt, mit der zwei gealterte, durch Wohlstand ruhiger gewordene Mittdreißiger, versuchen eine Art neue deutsche Schlagerkapelle aus der Traufe zu heben, sei dahin gestellt.
Der Titel “23″ steht offiziell für die Anzahl aller Album-Veröffentlichungen der beiden Künstler – zusammen genommen ergeben diese nämlich 22 – so dass dieser Longplayer nun Nummer 23 ist. Doch diese Zahl ist auch die Nummer aller Verschwörungstheoretiker und so heizen Sido und Bushido mit diesem Titel auch unzählige Diskussionen an. Nur mit Provokation bleibt man eben im Gespräch – die Rapper selbst schweigen lässig dazu! Konsequenterweise befinden sich auf dem Album dann auch 23 Songs, die trotz der unterschiedlichen Ansätze der beiden Herren überraschend harmonisieren. Sido und Bushido haben sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt und beweisen dies mit ihrer neuen Veröffentlichung. Zu den Stärken des Albums gehören zweifellos das mit Peter Maffay eingespielte “Erwachsen sein”, “Ein Märchen” – die Beschreibung einer menschlichen Tragödie im Berliner Problemviertel Neukölln – die Bewältigung der Vergangenheit in “Mit ‘nem Lächeln” und die natürlich nicht zu vergessende exzessive Selbstpreisung in “So mach ich es” und “Haus und Gold”. Bushido und Sido scheinen sich in einigen Songs perfekt zu ergänzen – auch die Battle- und Representer-Nummern sprechen für sich.
Leider ist dies jedoch gleichzeitig auch die Schwäche dieser Release – Sido und Bushido lassen ihre Kunstfiguren hinter sich und hinter der Maske entdeckt man ihre Charakterlosigkeit. Die Beats des Berliner Produzententeams Djorkaeff und Beatzarre sollen dabei an die gute alte US-Gangsta-Rap-Ära erinnern – leider sind dabei jedoch wenig neue Ideen zu erkennen. So bleibt das ganze Album trotz Sozialkritik und einigen persönlichen Texten erstaunlich seelenlos – von Deutschlands größten Rappern darf und sollte man jedoch eigentlich mehr erwarten!




